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 Betreff des Beitrags: Polybius
BeitragVerfasst: Fr 12. Feb 2010, 22:01 
Censor
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Registriert: Sa 18. Aug 2007, 15:07
Beiträge: 615
Hallo,

Menniger, Karl bringt folgendes Zitat: "Die Höflinge der Könige gleichen aufs Haar den Rechensteinen auf dem Rechenbrett; sie gelten nämlich ganz nach dem Willen des Rechners eben bloß einen Chalkus oder eben eine Talent!"

Wenig später schreibt er, als ob es noch so eine andere ähnliche Stelle gäbe: "Auch Solon schon, der weise Gesetzgeber Athens, habe den Günstling eines Tyrannen mit einem Rechenstein verglichen, dessen Wert allein von dem Willen dessen abhänge, der ihn schiebe!" E. d. Z. Zahlwort und Ziffer S. 106

Kann mir jemand die Originalstellen posten, - ich möchte das mal in Griechisch sehen - und sagen, ob Polybius sich auf einen Ath. Tyrannen bezieht, oder ob hier zwei unterschiedliche Zitate vorliegen. Der Herr Autor unterläßt hier jeden quellen Nachweis.

Danke

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Zuletzt geändert von brakbekl am Fr 12. Feb 2010, 23:37, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Fr 12. Feb 2010, 23:04 
Proconsul

Registriert: Di 23. Sep 2008, 12:17
Beiträge: 474
Hallo,


brakbekl hat geschrieben:
"Die Höflinge der Könige gleichen aufs Haar den Rechensteinen auf dem Rechenbrett; sie gelten nämlich ganz nach dem Willen des Rechners eben bloß einen Chalkus oder eben eine Talent!"


Dieses ist die deutsche Übersetzung von Historien 5. Buch 26,13.

Von Solon steht aber im näheren Umfeld dieses Zitats bei Polybios nichts.

Vgl. diese englische Übersetzung des 5. Buches
http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/R ... us/5*.html

Viele Grüße,
Quintus


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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Fr 12. Feb 2010, 23:14 
Proconsul

Registriert: Di 23. Sep 2008, 12:17
Beiträge: 474
Hallo nochmal,


brakbekl hat geschrieben:
"Auch Solon schon, der weise gesetzgeber Athens, habe den Günstling eines Tyrannen mit einem Rechenstein verglichen, dessen Wert allein von dem Willen dessen abhänge, der ihn schiebe!"


Dies ist Diogenes Laertios entnommen: 1,59:

Ἔλεγε δὲ τοὺς παρὰ τοῖς τυράννοις δυναμένους παραπλησίους εἶναι ταῖς ψήφοις ταῖς ἐπὶ τῶν λογισμῶν. Καὶ γὰρ ἐκείνων ἑκάστην ποτὲ μὲν πλείω σημαίνειν, ποτὲ δὲ ἥττω· καὶ τούτων τοὺς τυράννους ποτὲ μὲν ἕκαστον μέγαν ἄγειν καὶ λαμπρόν, ποτὲ δὲ ἄτιμον. Ἐρωτηθεὶς διὰ τί κατὰ πατροκτόνου νόμον οὐκ ἔθηκε, « Διὰ τὸ ἀπελπίσαι, » εἶπεν. Πῶς τε ἥκιστ' ἂν ἀδικοῖεν οἱ ἄνθρωποι, « Εἰ ὁμοίως, » ἔφη, « ἄχθοιντο τοῖς ἀδικουμένοις οἱ μὴ ἀδικούμενοι. » Καὶ « τὸν μὲν κόρον ὑπὸ τοῦ πλούτου γεννᾶσθαι, τὴν δὲ ὕβριν ὑπὸ τοῦ κόρου. » Ἠξίωσέ τε Ἀθηναίους τὰς ἡμέρας κατὰ σελήνην ἄγειν. Καὶ Θέσπιν ἐκώλυσε τραγῳδίας διδάσκειν, ὡς ἀνωφελῆ τὴν ψευδολογίαν.


Es sind wohl also zwei unabhängige Zitate.

Viele Grüße,
Quintus


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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Fr 12. Feb 2010, 23:46 
Censor
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Registriert: Sa 18. Aug 2007, 15:07
Beiträge: 615
Das war aber schnell, danke.

Wenn "λογισμos" Rechnung heißt, dann kann man sich gut die Überzeugung der Alten, was die Identität von Zahl und Buchstabe, man berechnete den Psephos eines Wortes, bedeutete. Immerhin ist ja "λέγω" mit unserem deutschen "legen" verwandt, und bei Homeros, soll es nur diese Bedeutung haben. Können Sie das bestätigen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Sa 13. Feb 2010, 02:46 
Proconsul

Registriert: Di 23. Sep 2008, 12:17
Beiträge: 474
Hallo,


Also dass λέγω bei Homer nur 'legen' bedeutet, glaube ich nicht.
Vgl. dazu "Vollständiges Wörterbuch über die Gedichte des Homeros und der Homeriden" von Ernst Eduard Seiler:
http://www.archive.org/stream/vollstndi ... 6/mode/2up

Viele Grüße,
Quintus


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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Sa 13. Feb 2010, 12:49 
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Registriert: Sa 18. Aug 2007, 15:07
Beiträge: 615
Hallo,

lies mal Passow! Nach einer Folge von Bedeutungen kommt der Passus (26. Zeile von unten) "in der Bed. "sagen" bei Hom. nur einmal..... bei den Att. ward diese Bed. die Herrschende."

ich wußte doch, es war nicht von mir, hatte es auch nur gelesen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Sa 13. Feb 2010, 15:52 
Proconsul

Registriert: Di 23. Sep 2008, 12:17
Beiträge: 474
Hallo brakbekl,

brakbekl hat geschrieben:
lies mal Passow! Nach einer Folge von Bedeutungen kommt der Passus (26. Zeile von unten) "in der Bed. "sagen" bei Hom. nur einmal..... bei den Att. ward diese Bed. die Herrschende."


Dass ich glaube, dass λέγω 'nur' "legen" bei Homer bedeutet, war kein Angriff gegen dich! Du hast ja darum gefragt, ob ich das glaube:

brakbekl hat geschrieben:
und bei Homeros, soll es nur diese Bedeutung haben. Können Sie das bestätigen?


Nach Konsultation des "Vollständiges Wörterbuch über die Gedichte des Homeros und der Homeriden" von Ernst Eduard Seiler bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass λέγω nicht 'nur' ausschließlich 'legen' bei Homer bedeutet. Es kommt ja auch darauf an, welches λέγω du meinst, es gibt ja zwei verschiedene Verben, einmal vom Stamm lech-, einmal vom Stamm leg- herkommend.

Viele Grüße,
Quintus


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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Sa 13. Feb 2010, 16:07 
Dictator
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Registriert: Di 9. Dez 2008, 11:07
Beiträge: 1479
Wohnort: Noricum
Übrigens : Das 1. Zitat mit der Stellenangabe von Quintus im Original bei Perseus:
Zitat:
[Buch V 26,13] ὄντως γάρ εἰσιν οὗτοι παραπλήσιοι ταῖς ἐπὶ τῶν ἀβακίων ψήφοις: ἐκεῖναί τε γὰρ κατὰ τὴν τοῦ ψηφίζοντος βούλησιν ἄρτι χαλκοῦν καὶ παραυτίκα τάλαντον ἰσχύουσιν, οἵ τε περὶ τὰς αὐλὰς κατὰ τὸ τοῦ βασιλέως νεῦμα μακάριοι καὶ παρὰ πόδας ἐλεεινοὶ γίνονται.


http://old.perseus.tufts.edu/cgi-bin/pt ... loc=5.26.1
:book:

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Ἔρος δ’ ἐτίναξέ μοι - φρένας, ὠς ἄνεμος κὰτ ὄρος δρύσιν ἐμπέτων.


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 Betreff des Beitrags: Re: Polybius
BeitragVerfasst: Sa 13. Feb 2010, 17:52 
Censor
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Registriert: Sa 18. Aug 2007, 15:07
Beiträge: 615
Danke nochmals


wegen des "Legens" fühlte ich mich nicht angegriffen, bin ja kein Homerspezialist, aber es ist ja auch kein Verbrechen seinem Wörterbuch erstmal zu glauben. Übrigens, wir legen ja auch Dinge sprachlich dar, und widerlegen manchmal eine These, legen Texte aus, etc. Bei uns hat sich der Stamm wohl in Lügen erhalten, wobei ich zuerst nur an die Verbindung der Tätigkeit Legen mit einer sprachlichen Aktion. Interessant nun, daß zur Tätigkeit des Hinlegens auch die entgegengesetzte Tätigkeit, das Einsammeln nämlich sich derselben Wurzel bedient. Lego, ich lese und sammle, elegantes - Erlesenes. Wie nannte man die Erscheinung noch, daß sich zwei entgegengesetzte Bedeutungen eines Stammes bedienen? (Fenster - finster) (alles Alle) u. v. a. m.

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